Volksbad Nürnberg: Die Rückkehr einer Architektur-Ikone.
Vom glanzvollen Jugendstil-Juwel der Kaiserzeit über die melancholischen Jahrzehnte als berühmter „Lost Place“ bis hin zur aktuellen 55-Millionen-Euro-Revitalisierung. Entdecken Sie die bewegte Geschichte einer der schönsten Badeanstalten Deutschlands und blicken Sie hinter die Kulissen des Mammutprojekts, das das Bad 2026 wieder zum Leben erweckt.
Datum
2011 - heute
Ort
Nürnberg, Deutschland
Die Wiedergeburt einer Kathedrale des Badens: Das Volksbad Nürnberg
Es gibt Orte, die lassen einen nicht mehr los. Für mich ist das Volksbad in Nürnberg so ein Ort. Über ein Jahrzehnt lang habe ich dieses Juwel der Jugendstil-Architektur begleitet – vom melancholischen Stillstand als „Lost Place“ bis hin zur heutigen, gewaltigen Revitalisierung. In diesem Beitrag möchte ich euch mitnehmen auf eine Reise durch die Zeit: von den glanzvollen Anfängen über die dunklen Jahre des Krieges bis hin zum aktuellen Aufbruch in eine neue Ära.
Die Entstehung: Ein Juwel der Belle Époque (1911–1914)
Anfang des 20. Jahrhunderts platzte Nürnberg aus allen Nähten. Die Bevölkerung wuchs rasant, und mit ihr der Bedarf an Hygiene und Erholung. Zwischen 1911 und 1913 entstand nach Plänen des Architekten Carl Weber direkt am Plärrer ein Bauwerk, das damals wie heute Maßstäbe setzte.
Mit Baukosten von rund 1,8 Millionen Mark wurde am 2. Januar 1914 eine „Kathedrale des Badens“ eröffnet. Das Volksbad bot einen Luxus, der für die breite Bevölkerung damals alles andere als selbstverständlich war: Drei prunkvolle Schwimmhallen (zwei für Männer, eine für Frauen), 66 Wannenbäder, ein Dampfbad, eine Wäscherei und sogar ein eigenes Hundebad. Die Architektur zitierte römische Thermen und verband modernste Eisenbeton-Technik mit filigranen Jugendstil-Details.
Kriegsschäden und die Schlichtheit der Nachkriegszeit
Der Zweite Weltkrieg markierte die schmerzhafteste Zäsur in der Geschichte des Hauses. Bei den Luftangriffen auf Nürnberg wurde das Bad von insgesamt sechs Bombenvolltreffern schwer getroffen und zu etwa 70 Prozent zerstört.
Der Wiederaufbau ab den 1950er-Jahren erfolgte zwar zügig, aber unter den Vorzeichen der Knappheit deutlich vereinfacht. Viele prunkvolle Details der Fassade und der Innenräume verschwanden. Besonders markant war der Verlust der Spitze des 38 Meter hohen Wasserturms, der fortan nur noch als Stumpf das Stadtbild prägte. Trotz der Vereinfachungen blieb das Volksbad bis zu seiner Schließung ein Herzstück der Nürnberger Stadtgesellschaft.
Der große Leerstand: Die Ära der „schlafenden Schönheit“ (1994–2015)
1994 gingen die Lichter aus. Wegen mangelnder Rentabilität wurde das Bad geschlossen, und es begann ein jahrzehntelanger Dornröschenschlaf. In dieser Zeit entwickelte sich das Gebäude zu einem europaweiten Hotspot für Urban Explorer und Fotografen.
Zwischen 2010 und 2015 hatte ich das Privileg, das Volksbad unzählige Male zu dokumentieren. Was als persönliche Faszination für den Verfall begann, mündete schließlich in einer umfangreichen Bestandsaufnahme im Auftrag der Stadt Nürnberg. Ich konnte Bereiche fotografieren, die seit Jahrzehnten kein Mensch mehr betreten hatte – von den tiefen Technikkellern bis unter die gewaltigen Dachstühle. Damals war völlig unklar, ob das Gebäude jemals wieder revitalisiert wird oder ob es am Ende doch dem Abriss zum Opfer fällt.
Bestandsaufnahme 2010-2015
Eingangshalle
Schwimmhallen
Badezimmer
Wellness
Haustechnik
Fassaden
Das Aufwachen: Revitalisierung und Rettung
Nach fast 30 Jahren Leerstand und unzähligen politischen Debatten fiel 2020 endlich der Startschuss: Das Volksbad wird gerettet! Seit Herbst 2021 läuft ein Mammutprojekt mit einem Investitionsvolumen von rund 55,6 Millionen Euro.
Unter der Generalplanung von Fritz Planung und der Bauleitung durch das Büro ganz werk wird das Bad nicht nur saniert, sondern in die Moderne überführt:
Halle I (ehem. Männerhalle): Wird originalgetreu saniert und steht künftig wieder dem öffentlichen Schwimmen zur Verfügung.
Halle II: Dient künftig als Lehrschwimmbecken für Schulen und Vereine.
Halle III (Frauenhalle): Verwandelt sich in eine moderne Wellness- und Saunalandschaft.
Der Turm: Ein besonderes Highlight ist der originalgetreue Wiederaufbau des historischen Wasserturms, der seit 2025 mit seinen 38 Metern Höhe wieder die Silhouette am Plärrer dominiert.
Dokumentation des Wandels: Das Volksbad heute
Heute begleite ich das Projekt erneut mit meiner Kamera – diesmal jedoch nicht den Verfall, sondern die Entstehung von etwas Neuem. Es ist faszinierend zu sehen, wie der historische Bestand mit moderner Technik (wie z. B. ressourcenschonendem Recycling-Beton) verschmilzt.
Die Eröffnung ist für Ende2026 geplant. Bis dahin werde ich diesen Artikel fortlaufend ergänzen und euch hier exklusive Einblicke von der Baustelle geben.
Weiterführende Informationen & Quellen
Wenn du tiefer in die Geschichte des Volksbads eintauchen oder mehr über die technischen Details des Umbaus erfahren möchtest, empfehle ich dir die folgenden Quellen: